Bereits vor über einem Jahr hatte Tibor die Idee, ein Monopoly zu bauen, welches man unter Wasser spielen kann. Die Idee reifte immer weiter und bald begannen die ersten Tüftelarbeiten. Letzten Freitag war dann Premiere: Im Freibad Malsch spielten wir die erste Runde auf unserem neuen Spiel.

Neu ist die Idee allerdings tatsächlich nicht. Wenn man im Internet ein wenig recherchiert, so wurden schon mehrere Rekorde im Unterwasser-Monopoly aufgestellt. Belgische Taucher spielten 1997 bereits 30 Stunden und 15 Minuten Monopoly unter Wasser. Im Schichtbetrieb wurde 2000 in Norwegen drei Tage lang gespielt.

Hier nun der Bastelbericht zu unserem Monopoly Spiel:

Figuren und Karten

Die Karten sollten möglichst Abtrieb haben und gut zu handhaben sein. Dazu schnitten wir ein Blech aus rostfreiem Stahl zurecht. Das hat gegenüber Alu oder Edelstahl den Vorteil das es magnetisch ist. Gerade mit dicken Handschuhen ist es nämlich gar nicht so einfach mit den Karten zu hantieren. Kann man sie mit einem kleinen Magneten anheben, so wird die Sache schon leichter.

Das Blech haben wir größer als die Originale gemacht, um sie beim tauchen besser handhaben zu können. Auf die Aufkleber haben wir Vor- und Rückseite gleichtzeitig bedruckt und sie dann um die Unterkante herum geknickt.

Die Spielfiguren selbst sind Spielzeugfische aus Gummi. Die Standfläche beinhaltet zwei starke Magnete und ist aus Kunstharz gegossen. Für die Hotels und Häuser haben wir einfache Plastik-Spielfiguren genommen. In den Boden sind ebenfalls Magnete eingeklebt. Eigentlich wollten wir Tauchbasen und -resorts im 3D-Drucker drucken, aber dazu sind wir noch nicht gekommen.

Das Spielfeld

Als Spielfeld soll eine Magnettafel dienen. Leider haben wir keine quadratische Tafel gefunden, deshalb mussten wir den Spielplan etwas verzerren. So sind statt der üblichen 11 Felder pro Seite auf unserem Spielplan 9 Felder an der kurzen und 13 Felder auf der langen Seite. 

In der ersten Version haben wir überlegt das Spielfeld einfach mit farbiger Folie zu bekleben und dann die Schrift mit wasserfestem Stift von Hand zu schreiben. Statt der bei Monopoly üblichen Straßen wollten wir möglichst prominente und schöne Tauchplätze einsetzen. Die Bahnhöfe wurden zu Druckkammerzentren und die Werke zu Instituten.

Über Google Docs haben wir in einem gemeinsamen Dokument die passenden Tauchplätze zusammengestellt. Durch die Verfügbarkeit der Bilder hat sich diese dann später aber noch geändert. So wurde U869 z.B. durch die Haven ersetzt.

Schnell kam aber dann doch der Wunsch auf, das Spielbrett etwas schicker zu gestalten: Ein Spielfeld stark angelehnt an das Original Monopoly sollte es sein. Und wenn schon, dann sollte für jeden Tauchplatz auch ein Bild aufgedruckt sein. Tibor hat gute Verbindungen zu der Druckerrei http://www.szipa.hu/ im ungarischen Albertirsa. Dort konnten wir zum Materialpreis die Folie drucken. Einziger Haken war das maximale Format von A3. Deshalb mussten wir das Feld aus vier Aufklebern zusammen stückeln und mit der Schnittkante leben. Beim Spielen stört das aber wenig.

In einigen Abenden haben wir die entsprechenden Bilder zusammen gesucht und beschriftet. Als die Folie fertig gedruckt war, viel uns auch gleich der erste Fehler auf: Die Britannic haben wir versehentlich als "Brittanic" aufgedruckt. Aber sonst passte alles.

Den äußeren Rand haben wir mit schwarzer Folie noch einmal abgeklebt.

Der Monopoly-O-Mat

Die große Schwierigkeit beim Unterwasser-Monopoly liegt bei der Bank. Unmöglich können wir die 265 Geldscheine aus dem Originalspiel einlaminieren. Auch Münzen wie manch andere Unterwasser-Monopoly Bastler verwendet haben erschienen uns kein adäquates Mittel. Also musste etwas anderes her. Ein Geldautomat wäre doch eine feine Sache! 

Gesagt getan, schon bald entstanden die ersten Skizzen für den Monopoly-O-Mat. Dieser wird in ein POM Gehäuse gebaut und ist durch einen Plexiglasdeckel sichtbar. Zu bedienen ist er über 4 Reed-Kontakt Schalter mittels eines oder zwei Magneten. Der Einfachheit halber habe ich als Hardware einen ATMega328 Microcontroller genommen und mit einem Arduino Bootloader versehen. So kann das Programm auch auf jedem x-beliebigen Arduino ausgeführt werden.

Als ich die Schaltung entworfen hatte, waren mir die Controller internen Pull-Up Widerstände noch nicht bekannt. Heute würde ich auf R4-R7 verzichten und die Eingänge mit den Reedschalter auf Masse ziehen.

Die Reedschalter auf dem Layout sind optional. Statt sie direkt auf die Platine zu montieren können sie auch über die Jumper JP2-JP5 angeschlossen werden.

Eigentlich war geplant ein 9V Block als Spannungsversorgung zu nutzen, allerdings hat Tibor aus alten Akkuschrauber Akkus ein paar Zellen extrahiert. Seit dem betreiben wir den Monopoly-O-Mat mit einem 2s2p Akku mit ca. 30Wh. Damit kann man sicher länger als eine Woche spielen... Um den Akku zu schützen, kam dann noch ein Tiefenentladeschutz dazu. Dieser wird einfach in das 9V Batteriefach geschraubt.

 

Dann ging das ganze auch schon zum Ätzen. Leider hat sich mal wieder der Fehlerteufel eingeschlichen: Die Stiftleiste für das Display war eigentlich genau so ausgerichtet dass man die 2 Platinen aufeinander Stecken kann. Leider habe ich die Leiste aber spiegelverkehrt aufgebracht. Deshalb ging die Steckvariante nicht und ein Kabel musste dazwischen. Aber im Gehäuse ist ja genug Platz. 

 

Die Spielführung hat ein paar kleinere Herausforderungen gestellt, da die gesamte Steuerung über die vier Reed-Kontakte erfolgen muss. Aber mit etwas Übung lässt sich das Gerät gut bedienen. Der Automat kann

  1. Geld von und an alle Spieler inklusive Bank überweisen
  2. Ereignis- und Gemeinschaftskarten ziehen (wobei ich die Texte kürzen musste, der Speicher des Controllers hätte sonst nicht gereicht)
  3. Würfeln
  4. Die letzten 4 Banktransaktionen anzeigen

Als nächstes galt es das Gehäuse zu drehen. Hier hat zuerst Oliver Z. den Rohling bearbeitet. Leider sind wir damit nicht ganz fertig geworden außerdem fehlte noch der Deckel. Die Restarbeiten und den Deckel haben wir dann bei Thomas auf der Drehbank und der CNC Fräse fertig gemacht. Der Deckel wird von 4 Nilsen Latches gehalten. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank dafür! Im Gehäuse musste noch Blei integriert werden, damit das Gerät etwas Abtrieb hat. Nun lässt es sich unter Wasser gut zuwerfen, quasi als überdimensionaler Würfel.

Zuletzt noch ein kleiner Aufkleber mit der Anleitung darauf. Zwei Dioden waren eigentlich primär zum debuggen gedacht. Kurz vor dem Zusammenbau habe ich sie dann auch noch in die Frontblende integriert. Sie blinken nun nach jeder Aktion unter den aufgedruckten Würfeln und lassen diese rot und blau blinken. Sehr netter Effekt.

Die Schaltpläne im Eagle Format wie auch den ganzen Code auf Basis der Arduino Libs habe ich auf GitHub hinterlegt: https://github.com/oprobst/monopoly-zaehler

Die Bedienungsanleitung steht als Google Document zur Verfügung:


 

 

Erstes Spiel

Nun ging es zum ersten Testspiel. Das Vereinsheim des Tauchsportverein Malsch liegt direkt am Freibad und so ging es im Nassanzug ins Springerbecken. Da es schon spät war, beschlossen wir das Testspiel auf 60 Minuten zu beschränken. Auf fast 4m spielte sich das Spiel erstaunlich gut. Zwar brauchte es eine halbe Stunde, bis jeder verstanden hatte, wie der Monopoly-O-Mat zu bedienen ist aber dann lief es gut.

Nach 60 Minuten waren gut 2/3 der Straßen verkauft und wir begannen aufzuräumen.

Das einzige was nun noch fehlt ist ein neues Unterwasserzeichen für "Ich habe einen Pasch gewürfelt."

Grafiken

Alle auf dem Monopoly verwendeten Grafiken enstammen Quellen die eine Wiederverwendung und Veränderung gestatten. Ausnahmen sind die Felder Miltiz, Attersee und MT Haven. Hier habe ich kein passend lizenziertes Bild gefunden. Deshalb sind die entsprechenden Bilder hier ausgeblendet.

Da wir das Spielfeld mit 600 DPI gedruckt hatten, war die Originaldatei etwa 19000*14000 Pixel groß und hatte rund 500 MB. Hier die verkleinerte Version:

Danksagung

Viele Leute haben Tibor und mir bei der Erstellung des Monopolys geholfen, deshalb hier nochmal unseren Dank!

http://www.szipa.hu/ für das Drucken und Aufbringen der Aufkleber

Oliver Zehm und Thomas Holfelder für das Drehen und Fräßen des Monopoly-O-Mat Gehäuse.

 

Quellen

Bilder, die keiner dieser Quellen enstammen sind selbst gemachte Aufnahmen.

Diese stelle ich ebenfalls unter der Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz zur Verfügung.

Starnberger See
Source: https://www.flickr.com/photos/fuenfseenland/6995392528
License: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Author: Starnberger Fünf-Seen-Land via Flickr
Hemmoor

Hemmoor
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AHemmoor_Kreidesee_01.jpg
License: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5
Author: Raboe001 via Wikimedia Commons

Druckkammer:
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ANasa_decompression_chamber.jpg
License: [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons
Author: Mike (originally posted to Flickr as DSC_4993) 

Rebreather:
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AViper_SC_rebreather_Kotka_2013.JPG
License: https://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain
Author: MKFI (https://commons.wikimedia.org/wiki/User:MKFI)

Tauchverbot:
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AMotorrettungsboot_DLRG.jpg
License: [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons
Author: Alien65 

Meeresbiologie:
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3APolarstern_rothera_hg.jpg
License: [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons
Author: By Hannes Grobe (Hgrobe 06:16, 26 April 2006 (UTC)), Alfred Wegener Institute for Polar and Marine Research (Own work) 

Free Dive:
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFreediving_in_Ireland.jpg
License: [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
Author: By Simukas771 (Own work) 

Unterwasserarcheologie:
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AStralsund%2C_Ozeaneum%2C_GEO_(2011-02-15)_c.JPG
License: [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Author: By Klugschnacker (Own work) 

USS Oriskany
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AUSS_Oriskany_(CVA-34)_near_Midway_Atoll_1967.jpeg
License: [Public domain], via Wikimedia Commons
Author: By U.S. Navy 

Truk Lagoon
Source: https://www.youtube.com/watch?v=ct-OXgJLmUQ
License: [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Youtube
Author: Yanu ari

USS Saratoga
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AUSS_Saratoga_CV-3.jpg
License: [Public domain], via Wikimedia Commons
Author: By U.S. Navy

HMHS Britannic
Source: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:HMHS_Britannic.jpg
License: public domain
Author: Allan Green, 1878 - 1954

Tuna Hästberg
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATuna-H%C3%A4stbergs_gruva_2014-07-20_05.jpg
Licence: CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Author:  Calle Eklund/V-wolf

Silvra Spalte
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASCUBA_Silfra.jpg
Licence: [Public domain], via Wikimedia Commons
Author: By Thomei08 20px|ich bin ein Kiwi / Thomei08 at German Wikipedia

Thistlegorm
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAft_view_Thistlegorm.jpg
Licence: CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons
Author: Woodym555 at the English language Wikipedia

Valle Verzasca
Source: https://vimeo.com/75163182
Licence: CC-NC-SA-3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/)
Author: Florian Fischer

Brechtsee
Source: https://www.youtube.com/watch?v=tnCE1UI17Zo
Licence: Creative Commons https://www.youtube.com/t/creative_commons
Author: JTV

Baikal See
Source: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/10/View_on_Angara_and_Baikal_from_Chersky_Stone.jpg
Licence: [Public domain], via Wikimedia Commons
Author: By Brücke-Osteuropa (Own work)

Galapagos Islands
Source: https://pixabay.com/en/marine-iguana-galapagos-diving-883487/
Licence: CC0 Public Domain
Author: Took

Würfel auf Monopolyomat:
Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3A2-Dice-Icon.svg
Licence: CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons
Author: Steaphan Greene (Own work)  

Thomas Bauslu: Bild von den Cenoten

Thomas Holfelder: Bild vom Bodensee


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