Umbau eines Bleigelscooter auf LiMn

Seit Mai 2014 nennt fast das ganze Team einen Scooter sein Eigen. Dabei wurde auch ein Scooter von Bleigel auf LiMn Akkus umgebaut. Dieser Blogeintrag berichtet von Anschaffung, Umbau und Probefahrt.

Vor gut einem halben Jahr haben wir beschlossen uns im Team Scooter zu zulegen. Dieser sollte natürlich auch einiges können. Unsere Tauchgänge bewegen sich im Bereich 2-3 h, also sollte der Scooter natürlich auch diese Runtime mit machen. Eine passable Geschwindigkeit sollte er bringen und natürlich keine Probleme mit größerer Tiefe haben. Er soll auch genug Schub haben um notfalls 2 Taucher mit jeweils 4 Stages zu ziehen. Schön wäre auch ein leichtes Gewicht.

Nachdem wir die Boot 2014 besucht hatten, steigerten wir uns in unseren Wünschen immer weiter, bis wir letztlich feststellten, dass eigentlich nur noch die Spitzenmodelle von Bonex oder Suex in Frage kommen. Am Ende war der XK1 von Suex unser Favorit. Und da sind wir dann bei Investitionen von über 6000 Euro...

Da so viel Geld zu sparen seine Weile dauert, beschloss ich vorab einen Schnellschuss zu machen und es erst mal mit einem Gebrauchten zu versuchen. Da aktuell viele Höhlentaucher gerade von der letzten Generation der mit Bleigelakku betriebenen Scooter auf modernere Lithium basierende Scooter umsteigen ist der Markt für den Kauf eines gebrauchten Scooters gerade günstig. Und sollte ich künftig doch noch das Bedürfnis für einen neuen Scooter haben, so kann ich den alten entweder wieder zum gleichen Preis verkaufen, oder aber ihn als Backup Scooter behalten.

 

01-neu

Der gerade erst abgeholte Scooter

Mitte April war es dann soweit. Auf einer Verteilerliste bot Manfred seinen alten Silent Submersion UV 18 Scooter an. Ein Termin war schnell ausgemacht. Außen hatte der Scooter einige Gebrauchsspuren, aber technisch schien er meinem ungeübten Auge ganz passabel. Also schlug ich für 1.450 Euro ein.

Das Team zieht nach

Eigentlich war der Scooter als Bastelprojekt geplant. In den kommenden Wochen wollte ich mich um neue Akkus und weitere Umbauten kümmern. Der Scooter sollte nur gelegentlich zum Einsatz kommen. Eigentlich hatten wir den teamweiten Scooterkauf für das Frühjahr 2015 geplant. Wenn dann die anderen im Team dann auch soweit sind, wollte ich den Scooter wieder auf ebay stellen und im Team ein einheitliches Modell kaufen. Womit ich nicht gerechnet hatte war der Gruppenzwang, den ich wohl damit aufgebaut hatte…

Keine Woche später hatte Oli Z. einen gut gebrauchten UV 18 mit LiFePO4 in der Schweiz und Tibor einen fast neuen XK1 in Österreich gekauft. Daniel hat auch bereits einen Zeuxo 33 aufgetrieben, den er demnächst von seinem Vorbesitzer übernimmt. Soviel zu Frühjahr 2015.

 

teamscooter

Das ganze Team wird faul (Daniels Scooter wird hier von Dennis präsentiert)...

Nun war ich im Zugzwang, denn die anderen Scooter waren bereits einsatzbereit, während mein Bastelprojekt auf mich wartete. Noch mal eine Woche später hatte ich dann mit viel Klebeband die erste Version so weit, um den Scooter ins Wasser zu lassen. Wenn auch nicht ganz optimal getrimmt hatten wir am Matschelsee schon ein wenig Spaß.

Erste Umbauten

Aber nun noch einmal ein paar Tage in der Zeit zurück: Kurz nach dem Erwerb ließ mich eine kleine Erkältung erst mal ein paar Tage im Dunkeln, wie sich das Gerät denn nun fährt. Diese nutzte ich um erste Optimierungen vor zu nehmen.

Inzwischen hatte ich bereits die Zugleine getauscht. Dabei war ich unschlüssig, ob ich die Schläuche an der Leine ersetze oder weg lasse. Zum einen bieten sie natürlich einen guten Schutz gegen ein versehentliches Einwickeln in der Schraube. Ohne große Scootererfahrung halte ich dieses Szenario allerdings für wenig realistisch. Zum anderen, so die erste Überlegung, erleichtern sie auch das Handling ein wenig, da die Leine nicht unkontrolliert schwimmt. Aber auch diese Vermutung hat sich als unbegründet erwiesen. Großer Nachteil ist die dadurch abhanden kommende Möglichkeit die Länge der Leine im Wasser (z.B. durch einen Topsegelschotstek) zu variieren. Ich beschloss also mal mit und mal ohne die Schläuche das Ganze zu testen und habe mich schließlich gegen die Schläuche entschieden.

 

Knoten

Palstek und Topsegelschotsteg ersetzen die alten Leinen
Weiterhin hatte ich den Gummischutz, der an den Metallschellen war entfernt. Von diesem war sowieso kaum noch etwas übrig, da der Zahn der Zeit schon sehr nagte. Da ich auf die Schnelle keinen Ersatz fand, habe ich einfach Gummischlauch über die Schellen gezogen. Befestigt habe ich die Leine mit einem normalen Palstek und das überschüssige Ende mit einem selbstklebenden Schrumpfschlauch fixiert. Die andere Seite ist wie schon geschrieben mit einem Topsegelschotstek in der Länge variabel. Den Karabiner habe ich nicht fest geknüpft sondern lasse ihn in einem Seilauge flexibel laufen. Das Bild zeigt noch das blaue, erste Seil, das recht dick war. Der Nachfolger hat nur noch 4mm Durchmesser.

Auch habe ich die Trageschlaufe ersetzt. Ich bin ein großer Fan davon, nur das ins Wasser zu nehmen, was ich auch unter Wasser brauche. Eine Trageschlaufe gehört da eigentlich nicht dazu. Allerdings fehlt dann eine Möglichkeit, ihn wieder aus dem Wasser zu befördern. Als Alternative überlegte ich, zwei kleine D-Ringe rechts und links anzubringen und den Griff nur bei Bedarf mit Boltsnaps zu befestigen. Aber ich habe diesen Plan vorerst auf Eis gelegt und beschlossen die Schlinge einfach durch eine engere zu ersetzen. Zudem kann man beim tauchen sich an der Trageschlaufe festhalten und so viel Spaß mit Loopings haben. :-)

Erste Probefahrt

Nach einer Woche erfolgte dann die erste Probefahrt. Spontan beschloss ich abends einen kleinen Abstecher zur Schwarzenbachtalsperre zu machen.

Dieses Gewässer ist allerdings nur bedingt zum Scooter Probetauchen geeignet. Zuerst konnte ich nachvollziehen, warum leichtere Scooter heute beliebt sind. Ich musste die 35 kg erst über die Leitplanke wuchten und dann zu dem zu diesem Zeitpunkt stark abgelassenen Stausee hinuntertragen. Zwar geht es nur mäßig steil hinunter, aber mit dem Gewicht im Arm schon eine Herausforderung. Außerdem ist bei diesem See der Name Programm. Der Stausee wird von einem Hochmoor gespeist. Das torfhaltige, sehr weiche Wasser ist dunkel und ab 5m Tiefe stockfinster. Zudem herrschte nur eine Sichtweite von ca. 1m.

Aber nichts desto trotz war ich glücklich als ich im Wasser war und zum erstenmal den Scooter anwarf. Zunächst war die Zugleine wesentlich zu lang und ich musste sie ordentlich kürzen. Dann dauerte es noch ca. 10 min bis ich mit dem Gerät einigermaßen zurechtkam. Aber dann hatten wir uns aneinander gewöhnt und ich kam ganz gut voran.

Ich beschloss die Geschwindigkeit zu messen. Dafür stellte ich ihn auf langsame Fahrt, indem ich die Geschindigkeitssteuerung auf Stufe 3 von 9 drehte. Mit D12 und einer Stage legte ich in 10 Minuten etwa 350m zurück. Eine Geschwindigkeit von 35m/min ist ja schon mal ganz passabel. Die schnellste Stufe habe ich dann nicht mehr getestet, insbesondere da die Batterie sich auch schon dem Ende neigte. Aber das wird noch nachgeholt sobald das neue Akkupack einsatzbereit ist.

Akkutechnologie

Schnell stellte sich die Frage mit welchem Akku es denn nun weiter ginge. Der Bleigel Akku der verbaut ist hat schon einige Jahre auf dem Buckel und hält noch ca. 45min. Bei langsamer Fahrt ergibt das etwa 0,6 Seemeilen oder etwa 1 km. Da wir aktuell noch nicht in Höhlen unterwegs sind, wo Reichweite ein sehr wichtiges Kriterium ist, brauche ich eine andere Referenz. Als anschauliches Ziel habe ich definiert, genug Akkukapazität zu haben um am Bodensee vom Baugraf einmal im Freiwasser über den Überlinger See zur Katharinenschlucht und wieder zurück zu fahren. Das sind 2,6 Seemeilen oder 4,8 km. Noch ein bisschen Reserve eingeplant soll der Akku also gut 3 Seemeilen durchhalten. Das ist für die meisten Tauchgänge sicher überdimensioniert, was aber gut ist, denn der Akku hält wesentlich länger wenn er pro Ladezyklus nur wenig entladen wird.

Ohne die genauen Verbrauchsdaten des Motors ist es schwierig hier die Mindestkapazität des Akkus zu berechnen. Einzig auf Grundlage der Herstellerangaben bei silent-submersion.com war hier eine Berechnung möglich.

Der UV 18 Scooter kommt von Werk aus mit einem 24 V, 16 Ah Akku. Dieser hält angeblich 1,5 Miles bei voller Fahrt und 2,5 Miles bei Cruise Speed. Ich nehme an, es handelt sich um amerikanische Landmeilen, was dann 2,4 km und 4,0 km, bzw. 1,3 sm und 2,16 sm sind. Da Cruise Speed nicht genau definiert ist, nehme ich sicherheitshalber mal das Mittel zwischen diesen beiden Zahlen als reguläre Reichweite. Demzufolge verbraucht der Scooter pro Seemeile also 16Ah / 1,73sm = 9,25 Ah/sm.

Wenn der Scooter also im gesamten 3 sm Reichweite haben soll, so braucht es eine Akkukapazität von 3 sm *9,25 Ah/sm = 27,8 Ah.

 

original-akku

Der eingebaute Bleigel Akku

Mit Bleigel ist das nicht zu erreichen, das war schnell klar. NiCd Akkus scheiden heutzutage glücklicherweise aus. Bleibt NiMH oder ein Lithium basiertes System. Ich bin kein großer Fan von NiMH, die Energiedichte ist nicht so gut wie bei Lithium Akkus, die Haltbarkeit ist geringer und preislich ist auch kaum noch ein Unterschied gegeben. Auch die Eigensicherheit ist gegenüber LiMn oder gar LiFePO4 Akkus kaum noch ein Argument. Also sollten es Lithium Akkus sein. Die Entscheidung fiel letztlich für LiMn Akkus, da diese einen guten Kompromiss aus Sicherheit, Preis, Gewicht und Leistung bieten und noch dazu einfach zu warten sind. Kleiner Nachteil ist das benötigte BMS (Battery Management System), um die Zellen zu schützen. Es gibt zwar Meinungen, dass man LiMn Akkus wie auch LiFePO4 ohne BMS betreiben könne, aber ich habe mich sicherheitshalber für ein BMS entschieden. Letztlich bietet das BMS nicht nur ein Über- und Unterspannungsschutz, sondern balanciert auch die einzelnen Zellen, so dass deren Lebensdauer erhöht wird. Zugegeben, durch den von mir verwendeten externen Balancer beim Laden ist das zwar etwas redundant, aber das ist man ja beim Tauchen gewöhnt. Der externe Balancer gib mir die Möglichkeit die einzelnen Zellen beim Laden und Entladen mit dem Computer zu überwachen.

Nun stellt sich die Frage nach dem Typ und der Kapazität. Die meisten Umbauten von denen ich bisher gehört und gelesen habe haben einfach vorkonfektionierte Akkupacks verbaut. Ich habe eine Weile danach gesucht, bin aber nicht so richtig fündig geworden. Ich hatte folgende Anforderungen:

  • LiMn Basis
  • ca. 24V Nennspannung
  • Mindestens 30Ah Kapazität
  • Maximales Maß: 155mm x 185mm x 180mm
  • Interner Balancer und Externer Balancer Anschluss
  • Interner Über- und Unterspannungsschutz
  • Optimalerweiße noch eine Temperaturüberwachung

 

Nach einer Weile beschloss ich, mir den Akku einfach selbst zusammen zu bauen und aus standardisierten 18650er Zellen zu löten. Hier habe ich die meiste Flexibilität was Bauform und Aufbau angeht. Auch preislich denke ich liege ich nicht höher als vergleichbare, fertige Akkupacks.

 

akku1

Verlötete Zellen Nummer eins bis sechs

Mit dem Akku Sony US18650NC1 haben wir bei unseren Heiztanks bisher sehr gute Erfahrungen gemacht und ich beschloss auch diesmal wieder diesen Typ zu nehmen. Die Einzelzelle hat eine typische Kapazität von 2900 mAh und eine minimale Kapazität von 2750 mAh.

Leider habe ich kein Herstellerdatenblatt gefunden, unter welchen Bedingungen mit dieser Kapazität zu rechnen ist. Ich nehme an, dass die Optimalbedingungen um diesen Wert zu erreichen bei 25° C Raumtemperatur und 0,2C Entladestrom bis 2,5V liegen.

Unsere realistischen Werte weichen davon allerdings nicht so weit ab. Die Temperatur im Scooter ist schwer zu schätzen. Im wesentlichen ist sie Abhängig von der Außentemperatur - hier also eine große Variable. Bei starken Minusgraden ist das Einbringen eines Wärme-Knickpads während der Tauchgangsvorbereitung eine Option um allzu schädliche Kälte zu vermeiden. Auch werde ich zu verhindern wissen, dass meine Zellen sich bis 2,5V entladen (das BMS schaltet bei 3V ab). Allerdings bei dem geschätzten Entladestrom von rund 10 A liegen wir bei 12 parallelen Zellen bei (2,9 Ah * 12) / 10 Ah = 0,35C nicht so weit von 0,2C entfernt, wenn Cruise Speed gefahren wird. Pauschal denke ich mit 2,7 Ah pro Zelle recht realistisch zu rechnen.

Demzufolge steht mir bei 12 parallelen Zellen eine ungefähre Kapazität von 32 Ah zur Verfügung. Um die 24 V zu erreichen werden 7 Blöcke a 3,7V Nennspannung in Reihe geschaltet, also 25,9V Nennspannung. Das kleine Delta zum Bleigel Akku mit 24V Nennspannung wird der Motor verkraften - so meine Hoffnung.

 

akku2

Akku mit Balancerverkabelung

Etwas Sorge machte mir der Anlaufstrom. Da ich keine Daten zum Motor habe, konnte ich hier nur raten. Das BMS ist auf 30 Ampere ausgelegt. Zusätzlich habe ich eine gewöhnliche 25 Ampere Flachsicherung aus dem KFZ Bereich am Akku angebracht. Die zusätzliche mechanische Trennung im Kurzschlussfall war mir einfach sympathisch. Der Motor läuft nur mit langsamer Drehzahl, ich glaube auf http://silent-submersion.com/ irgendwas kleiner 1000 Umdrehungen pro Minute gelesen zu haben. Zudem sollte das Anlaufen im Wasser nun auch keinen massiven Widerstand bringen. Aber dennoch viel mir ein großer Stein vom Herzen, als der Scooter beim ersten Test wirklich anlief!

Geplant war eine Gehäusetiefe von 90mm. Hier ließe sich evtl. noch ein zweites, kleineres Akkupack daneben einbauen. In der Praxis haben Kabel die Bauhöhe dann noch etwas erhöht, so dass der fertige Akku es auf 98mm Bauhöhe bringt.

 

atWork

Erstellen des Akkugehäuses

Das Akkugehäuse haben wir aus PVC Platten hergestellt und verschraubt und verklebt.

 

akku-von-oben   akku-von-unten

 Der fertige Akku von unten und von oben, Leitungen noch ungekürzt

Eine Alternative zu den Akkus wären die Headway LiFePO4 Akkus gewesen. In die Röhre passen genau 16 Stück mit jeweils 16 Ah hinein. Bei einer Nennspannung von 3,3 V könnte man also 8s2p Zellen verbauen. Preislich wären die LiFePO4 circa 100 Euro teurer geworden. Dafür wären sie sicherer, da diese Akkutechnologie definitiv eigensicher ist. Außerdem sind die Zellen langlebiger. Je nachdem wem man glaubt, sollen die Zellen bis zu 10 Jahre und 1000 Ladezyklen halten. Allerdings - und das ist meiner Meinung nach hier der große Nachteil - ist bei 32 Ah eben Schluss. Mit meinen LiMn Zellen kann ich problemlos mit einem weiteren Kästchen auf 46 Ah updaten. Und wenn noch ein wenig an der Bauform feile, ist sogar noch mehr drin.

Anschlüsse

Alle Steckverbinder im Silent Submersion Scooter sind Anderson Powerpole Connectors. Bisher habe ich von diesem System noch nie gehört, aber bei näherer Betrachtung ist es gar nicht verkehrt. Die Stecker sind 1polig, können aber beliebig ineinander geschoben werden. Dadurch sind sie sehr flexibel und - wenn sie nicht auseinander gebaut werden - auch verpolungssicher. Einen großen Nachteil hat das System allerdings: Es ist hier in Europa schwer erhältlich.

Der Akku hatte 2 Abgänge: Zum Laden einen kleinen 2 poligen Anderson Stecker und für den Betrieb einen großen Anderson PP 75 Stecker. Da der Kleine nur noch von Klebeband zusammen gehalten wurde und ich meine Akkus bevorzugt mit Tamiya Steckern lade, habe ich hier umgebaut und den alten Anderson ersetzt. 

Bei den großen Steckern zum Motor hatte ich allerdings meine Zweifel ob hier die Tamiya Stecker geeignet sind. Diese sind bis 15A spezifiziert. Leider habe ich keine Daten wie viel der Scooter Motor zieht, aber ich vermute dass es bei voller Geschwindigkeit mit großem Gepäck schon zu höheren Strömen kommt. Außerdem wollte ich den Motoranschluß möglichst im Originalzustand lassen.

Nach einer längeren Google Suche hatte ich mit distrelec.de einen Lieferanten gefunden, der Anderson Stecker anbietet, ohne dass sie einzeln über den Atlantik eingeflogen werden müssen. Dennoch ist es immer ein wenig ärgerlich für 5,52 Euro Warenwert 6,95 Euro Versand zu zahlen. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen die alten Akku Kabel wieder zu verwenden, aber dazu hätte ich den alten Akku außer Betrieb nehmen müssen. Und diesen wollte ich als Ersatz vorerst behalten. Leider habe ich erst bei Lieferung gesehen, dass die Krimpkontakte extra bestellt werden müssen. Es wurden nur die Steckergehäuse geliefert. Eigentlich kann ich mich nicht beschweren, auf der Webseite ist extra angegeben “Module und Kontakte separat bestellen”. Leider habe ich das erst entdeckt nachdem mir mit dampfendem Lötkolben in der Hand einige Fragezeichen in den Augen standen. Und wieder wären 6,95 Euro Versandkosten fällig, wenn nicht Daniel von der Tauchtechnik Karlsruhe beschlossen hätte auch welche über den Laden zu bestellen. Dadurch konnte ich sie dann bequem bei Daniel einkaufen.

Um die Batterie von Zeit zu Zeit prüfen zu können habe ich einen externen Balancer Anschluss angebracht. Zum regulären Laden reicht das interne BMS. Aber für die Kontrolle der Zellen ist es ganz praktisch, die Lade- und Entladekurven am PC beobachten zu können. Man sieht dann sehr deutlich, falls eine Zelle defekt ist und kann diese tauschen bevor der restliche Akku in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Akku hat eine 8 polige EH Balancer Buchse bekommen. Dazu habe ich einen Adapter für den Ultramat 18 gebaut. Dazu musste ich den Abgang zwischen Zelle 6 und 7 aufspalten und mit dem Pluspol zusammen auf den zweiten Geräteanschluss legen. Die Anleitung des Ladegerätes war hier etwas schwierig verständlich.

 

Analysekabel2

Analysekabel mit Adapter für 7poligen Graupner EH Anschluss

Durch die Balancerausführung lässt sich der Ladevorgang sehr gut überwachen. Zum Test habe ich den Akku mit 1,2 Ampere entladen. Leider habe ich keinen richtigen Burn Time Tester, der eine ähnliche Leistung zieht wie der originale Motor. Das Ladegerät kann nur maximal mit 40 Watt entladen. Bei 1,2 Ampere liefert der Akku rund 33 Ampere. Die Kapazität beim Einsatz im Scooter liegt bei der höheren Belastung durch den Motor wahrscheinlich ca. 5-10% tiefer, da die Kapazität vom Entladestrom beeinflusst wird.

 

Entladekurve

Entladekurve der einzelnen Zellen neuen Scooterakkus

 

Gesamtentladekurve

Entladekurve über die Gesamtspannung mit Einteilung in Prozent

Durch das Messen der Spannung vor und nach dem Tauchgang kann man so die aktuelle, sowie die verbrauchte Kapazität in Prozent ermitteln. Das ist nicht so elegant wie die eingebaute Prozentanzeige im XK1 Akku, funktioniert aber auch wunderbar.

Blei und Trimm

Die alten Bleigel Akkus wiegen 12,2 kg und zusammen mit Kabeln und angebrachtem Trimmblei bringen sie es auf 12,96 kg. Der neue Akku wiegt 4,89kg. Es müssen also noch 8,07 kg Blei untergebracht werden. Manfred hatte mir bei der Übergabe erklärt, dass er den Akku etwas nach rechts versetzt hat. Dadurch liegt der Schwerpunkt nicht mehr mittig und das Gewicht wirkt dem nach links wirkendem Radeffekt durch die drehende Schraube entgegen. Um davon einen Eindruck zu bekommen habe ich den Akku wieder in die Mitte versetzt. Tatsächlich ist es recht unangenehm so längere Zeit zu fahren, da ständig eine Drehkraft auf das Handgelenk wirkt.

 

 

prototyp

 Erster Propotyp, noch mit Klebeband fixiert

 

 

 

 

Skizze-Blei

       Skizze für das Bleigießen

 

 

Durch den neuen Akku muss sowieso noch knapp 8kg Blei untergebracht werden. Der Akku ist zwischen zwei Plexiglasscheiben und drei Gewindestangen fixiert. Das zusätzliche Blei will ich an den Gewindestangen anbringen und dadurch in seiner Position variabel halten. Im ersten Entwurf wollte ich halbmondförmiges Blei anbringen. Allerdings ist das Gießen hier sehr schwierig und auch die Toleranzen sind sehr klein. Deshalb beschloss ich im 2. Entwurf, einfach kleine Barren zu gießen. Diese lassen sich leicht berechnen und sind wesentlich leichter herzustellen.

 

 bleigießen 

Tibor gießt die Bleibarren

     
bLEI

Und die fertigen Barren


Bei der Gewichtsberechnung wird von reinem Blei ausgegangen, außerdem entstehen durch das Gießen Lufteinschlüsse, sowie nicht ganz ebene Flächen. Ich erwartete, dass das fertige Blei etwas abweicht. Deshalb fertigten wir gleich zehn Barren. Dadurch ist auch die Anordnung sehr flexibel. Der Feintrimm wird dann mit einzelnen Bleiblechen durchgeführt.

 

Die fertigen Barren haben dann tatsächlich ein Gewicht zwischen 970 Gramm und 1046 Gramm. Sie werden auf die Gewindestangen gefädelt und fixiert. Eine zerschnittene Isomatte dient als Abstandhalter zum Akku. Durch die verschiedenen Größen und ihre Position auf der Stange kann später der Feintrimm zwischen Hinten und Vorne erfolgen. Ein Wechsel zwischen den Stangen unterdrückt die Rotation durch den Radeffekt. Kleinere Bleche, im Bild weiß lackiert dienen der Feinjustierung des Auftriebs.

 

 

 

 

 

 

blei-im-tank
Scooter mit geöffnetem Deckel ohne das Feintrimmblei

 fast-fertig
 Blei im Tank

 

Leider hat der UV Scooter bauartbedingt einen tiefenabhängigen Auf- bzw. Abtrieb. Wir haben beschlossen, ihn in den kommenden Tagen auf 20m neutral zu tarieren.

Weitere Modifikationen

Schnell merkt man die Nachteile bei US Fabrikaten hier in Europa: Kein Werkzeug passt; Kein Ersatzteil ist einfach zu besorgen. Bei einem Außensechskant im imperialen System kann man sich eines Engländers bedienen (was für ein Wortspiel…), aber bei den Innensechskant-Schrauben ist man schnell aufgeschmissen. Da mir eine Mutter fehlte, habe ich die Gewindestangen für die Batteriefixierung durch M6 Gewindestangen ersetzt. Ein Innensechskant-Schlüsselset stand dann auch schnell auf der Einkaufsliste.

Die Schraube lief bei den ersten Probefahrten etwas unrund. Nachdem ich den hinteren Aufbau bis auf den Wellendichtring auseinander gebaut hatte fiel mir auf, dass einige der Kupplungsfederringe verkehrt herum montiert waren und die Kupplungsscheibe einen Sprung hat. Zwar ist sie noch nicht ganz defekt, allerdings kommt eine neue auf die Ersatzteilliste, die ich bei http://divegearexpress.com/ bestelle. Inzwischen sind diese aus Aluminium, meine scheint ein älteres Modell aus Kunststoff zu sein.

Kupplungsscheibe

 Sprung in der Kupplungsscheibe

Weiterhin will ich noch die Latches durch eine selbstsichernde Version ersetzen. In der Anleitung zum Scooter steht, dass man beim 3m Dekostopp die Latches alle kontrollieren soll, ob nicht zufällig eine aufgegangen sei. Unter Wasser wird der Scooter vom Wasserdruck zusammen gehalten, aber an der Oberflache könnte dann der Scooter aufgehen. Oli Z. hat seinen Scooter mit Gummischläuchen gesichert. Ich bevorzuge die selbstsichernden Latches, bei denen man zuerst ein Hebelchen drücken muss bevor man die Laschen öffnen kann. Zum aktuellen Zeitpunkt warte ich noch auf die Lieferung.

Und letztendlich muss natürlich noch ein Namens-Label und ein Nose-Art angebracht werden.

Weitere Probefahrten und die wahre Reichweite

Zwei weitere Probefahrten später war klar, dass der Akku nicht ganz die Reichweite hat, mit der ich am Anfang gerechnet habe. Tatsächlich zieht der Motor doch etwas mehr Strom als angenommen. Wir haben eine Probefahrt auf mittlerer Stufe (5 von 9) gemacht. Nach ca. 120 min war der Akku bei 35% und wir hatten knapp 3km zurück gelegt. In späteren Fahrten sollte sich herausstellen, dass ich am Anfang noch zu viel mit dem "Gashebel" gespielt hatte. Am Bodensee haben wir ein paar Wochen später 5km zurück gelegt und der Akku hatte danach auch noch etwa 30% Restkapazität. Als einigermaßen verlässliches Maximum für die Reichweite lassen sich 3,5sm oder 6,5km einplanen. Das reicht bis an die Katharinenschlucht und wieder zurück zum Baugraf bei gemütlicher Fahrt.Und vielleicht findet sich ja eines Tages noch die Muße einen zweiten Akku zu bauen oder den bestehenden zu erweitern.

Bei der maximalen Geschwindigkeit liefert Silent Submersion keine unrealistischen Zahlen. Mit D12 und ohne Stages hat der Scooter bei voller Geschwindigkeit ganze 60m/min erreicht, das sind knapp 2 Knoten fahrt. Die mittlere Stufe 5 von 9 liegt bei mir zwischen 45 und 50 m/min.

Und was kostet der Spaß?

Da ich aus vielen Quellen jede Menge Kleinkram bestellt habe, ist eine genaue Auflistung schwierig. Ich probiere es dennoch mal. Ich behalte mir vor etwas zu Runden und Versandkosten weg zu lassen.

 

Was Kosten Wo
Gebrauchter Silent Submersion UV-18 (Akku musste erneuert werden) 1450,- Mail-Verteiler
84x Sony US18650NC1 2,9Ah mit Lötfahne, Schrumpfschlauch 435,- www.akkuteile.de
PCM 7S 20A Li-ION, EH Kabel, Hiluminband 70,- www.shop.lipopower.de
Anderson Powerpole Stecker und Kontakte 10,- www.distrelec.de
Kabel, Sicherungshalter, Tamiya Stecker, Schrumpfschlauch 10,- www.conrad.de
Selbstsichernde Nielson Latches, Boltsnap 50,- www.tauchtechnik-karlsruhe.com

 

PVC Platten, Schrauben, Gewindestangen, Leinen, Bänder, Schläuche 50,- Baumarkt & Amazon
Labels und Aufkleber 20,- Sammelbestellung
Gesamt 2100,-

 (plus Ladegerät & Ersatzteile bei Dive Gear Express)

 

Fazit

Man kann nicht nur beim Scooter fahren eine Menge Spaß haben, sondern auch beim Scooter basteln. Der Scooter war 3000 Euro günstiger als ein neuer Scooter mit vergleichbaren Leistungsdaten. Sicher ist er nicht mehr der schickste, und auch beim Handling muss man einige Abstriche gegenüber aktuellen Modellen machen. Ein bisschen Mut gehörte auch dazu. Mehrmals hatte ich sorge den teuren Akku oder besser noch den daran hängenden Motor zu beschädigen.

Dennoch war es der Spaß absolut wert. Und nun hoffe ich noch auf einige schöne Abenteuer unter Wasser!

Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Oli Z. für die Hilfe beim Gehäuse fertigen und an Tibor für das Blei gießen. Schön wenn man sich auf so ein klasse Team verlassen kann!

 

banner-spielzeug

 

 

 

Einen Kommentar verfassen

Als Gast kommentieren

0 / 20000 Zeichen Beschränkung
Dein Text sollte zwischen 10-20000 Zeichen lang sein
Deine Kommentare erfordern die Moderation durch den Administrator
  • Keine Kommentare gefunden
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok