An diesem Wochenende waren wir mal wieder im Bodensee tauchen. Nur leider diesmal mit einem etwas ruppigen Ende. Das schöne am Tauchen ist ja immer irgendwie das Geheimnisvolle, die Idee etwas Neues zu entdecken. Leider entdeckten wir diesmal etwas, das wir lieber nicht gefunden hätten...

 

Mit den Jungs vom Tauchsportverein Malsch und vom Tauchverein Muggensturm waren wir dieses Wochenende am Bodensee unterwegs. Da wir noch ein paar schlecht gemischte Restgase in den Flaschen hatten, beschlossen wir zwei gemütliche Tauchgänge zu machen. So ging es am Samstag am Seezeichen 24 in Überlingen in die Tiefe. Wir hatten praktischerweise vom Aquanauten Team Überlingen den Schlüssel für das Gelände bekommen, so dass wir gut einsteigen konnten.

Die Sicht war so mittelprächtig, und es ging bei gemütlicher Fahrt hinaus zum Felsen, ca 180m vor dem Ufer. Mit einem 21|35 erkundeten wir den Felsen und umrundeten ihn mehrmals. Dann ging es wieder zum Ufer und machten dort unsere gute Stunde Deko.

Inzwischen betreiben wir unsere Heizung redundant mit der Santi Doppeldurchführung, so dass die 2:30 Stunden auch bei durchgängigen 5 °C Wassertemperatur gemütlich warm waren. Alles in allem hätte die Sicht noch etwas mehr hergeben können, aber es war ein ganz schöner Tauchgang.

Am Sonntag ging es dann zu den Tennisplätzen. Hier haben wir nur gut 120 Minuten geplant. Zuerst sind wir auf 50m Tiefe und dann die ca. 800m zur alten Post. Dann sind wir auf 40m aufgestiegen und zurück zu dem kleinen Bootswrack an den Tennisplätzen. Dann ging es einen weiteren Kilometer auf der 40m Tiefenlinie entlang in Richtung Osten. Während der Deko sind wir dann zurück.

 

Eigentlich wären beide Tauchgänge zusammen keinen Blog-Eintrag wert, hätte unser Tauchgang nicht so abrupt geendet: Wir erreichten gerade den 6m Stopp und haben auf Sauerstoff gewechselt. Dann sind wir noch ca. 5 Minuten gefahren, als ich hinter Tibor eine menschliche Silhouette auf dem Grund sitzend vorbeiziehen sah.

Zuerst, und bis zuletzt, hoffte ich auf eine Schaufensterpuppe. Nicht selten versenken Taucher ja aus Spaß solche "Sehenswürdigkeiten" (nicht dass ich das gut finden würde). Leider passten schon die Lage und die Proportionen nicht so ganz zu einer Puppe...

Ich signalisierte Tibor also dass wir anhalten und näherte mich vorsichtig der Gestalt. Letztlich musste ich erst meinen Verdacht bestätigen - schließlich will ich keine Polizeiaktion auslösen für eine Puppe oder ähnlichen Müll. Tibor blieb in etwas Abstand zurück. Leider erwiesen sich meine Befürchtungen als wahr. Es handelte sich dem Aussehen nach um einen jungen Mann, der dort nicht nur einen Tag lag. Das Gesicht war nicht mehr erkennbar, so weit hatte der Verwesungsprozess schon eingesetzt.

Nachdem sich der Verdacht bestätigt hatte, gab ich Tibor das Zeichen für "Leiche" (spontan erfunden: Einmal bekreuzigen). 

Wir gingen darauf hin etwa 30m auf Abstand und setzten eine Boje. Immerhin hatten wir zu diesem Zeitpunkt nach Tabelle noch eine halbe Stunde Dekompressionsverpflichtung. Normalerweise tauchen wir diese immer und nehmen den Computer nur zur Verifikation mit. In diesem Fall haben wir dann aber auf die etwas schnellere Dekoberechnung des OSTCs gesetzt, die uns bereits den Aufstieg nach 18 Minuten erlaubte. Auf dem 3m Stopp haben dann die Boje an einem vorhandenen Grundgewicht befestigt. 

Ich bin kurz aufgetaucht: Wir waren genau vor dem Strandbad, der Steg in direkter Nähe. Ob er dort ins Wasser gefallen war?

Nachdem die Deko verstrichen war, tauchten wieder auf 2m ab und fuhren mit schneller Fahrt die 400m zurück zum Einstieg und benachrichtigten die Polizei.

Nach Aufnahme der Personalien und nachdem wir den Vorgang beschrieben hatten, ging es dann wieder nach Hause. Meine Boje bekomme ich dann wohl irgendwann per Post.

ueberlingen 13 03 2016

Bis auf die letzten 20 Minuten war es ein schönes Wochenende. Aber nun weiß ich auch, wie es sich anfühlt, wenn man unter Wasser wirklich mal auf eine Leiche trifft. Tibor hat mir das Zeichen für 'kalt' gegeben und meinte damit den Schauer, der ihm den Rücken hinunter lief. Auch ich habe zeitweise meinen hohen Puls gespürt. Dennoch lief das Tauchprofil sauber aus und der Tauchgang wurde sicher beendet.

Ich hoffe dass die Umstände um den Tod des Mannes aufgeklärt werden können und seine Familie ihn nun in Frieden bestatten kann.

 

Nachtrag, Mittwoch 16.03: Gestern habe ich mit der Polizei Überlingen telefoniert. Der Mann wurde identifiziert und galt schon seit Mitte Dezember als vermisst.


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  • Jungs, ihr habt das menschenmögliche gemacht und auch eure Berichterstattung finde ich sehr wichtig, damit andere nach eurem Bericht auch das Richtige machen! Mein Beileid an die Hinterbliebenen die nun abschliesen können.... LG Heinz

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