Strom und Wasser vertragen sich nicht.

In den letzten 3 Jahren hatten wir zu zweit insgesamt 6 Kabelbrüche. Die Kabel werden beim Tauchen stark strapaziert: Sie sind ständig in Bewegung, werden wechselndem Druck ausgesetzt, geknickt, gezogen, gedrückt. Sie werden ab und zu mit dem Anzug gewaschen oder müssen auch mal einen herunterfallenden Lampenkopf auffangen. Kein Wunder dass das auf die Substanz geht. Nachdem nun mein Heizungskabel gleich 2 Brüche hatte, hier mal eine kurze Geschichte welche Kabel man gut reparieren kann und welche eher "improvisiert" werden können.

Der Kabelbruch im Tilly Tec Lampenkabel ließ sich recht problemlos reparieren. Damals hatte ich bereits darüber geschrieben: "Kabelbruch im TillyTec Lampenkabel". Zwischenzeitlich ist uns auch das Kabel an der Santi-Heizweste insgesamt drei mal gebrochen. Dieses verbindet die Santi-Weste mit der Kabeldurchführung am Anzug.

Reparatur des Heizwesten Kabels

Es sei gesagt, dass Santi laut Aussage auf der Boot auch bei älteren Modellen sehr kulant ist, was die Reparatur angeht. Wenn wir die Westen eingeschickt hätten, wären sie wahrscheinlich kostenlos repariert worden. Allerdings wären sie dann auch für ein paar Tage nicht verfügbar gewesen und mir war das Ganze ehrlich gesagt etwas zu umständlich. Deshalb haben wir sie einfach selbst repariert.

Mein Kabel war direkt am Stecker gebrochen, hier ließ es sich einfach um 5cm kürzen und die Sache war gegessen. Da das Kabel von Tibor aber gleich an zwei Stellen gebrochen war, haben wir beschlossen es zu ersetzen. 

Nun ging es darum, ein passendes Kabel zu finden. Dieses musste zum einen in einem Endkunden-Shop verfügbar sein (als industrieller Abnehmer hat man hier viel mehr Möglichkeiten) und zum anderen sollte es vom Außendurchmesser ähnlich groß sein, da wir die Stecker wiederverwenden wollten. Ansonsten galt so stabil wie möglich, gerne auch zugunsten der Flexibilität. Dazu gilt zu sagen, desto feinadriger die Litze eines flexiblen Kabel ist, desto weniger neigt es bei ständiger Bewegung zu brechen. Da wir bis zu 10 Ampere Gleichstrom mit möglichst geringem Verlust über die Leitung schicken wollen, ist ein großer Querschnitt natürlich zu bevorzugen.

Letztlich haben wir verschiedene Kabel bestellt und dann entschieden ein 4-adriges Ölflex Chain 809 von Lapp Kabel zu verwenden. Dieses ist für Roboter Schleppketten ausgegelegt und kann, sofern der Knickradius nicht zu klein ist, viel Bewegung ab. Leider haben wir keine passende Größe für 2 adriges gefunden, so dass wir je zwei der vier Leitungen a 0,75 mm2 verbinden und parallel betreiben.

Interessant ist die Realisierung des Überspannungsschutzes von Santi. Ich habe mich immer gewundert, wie Santi die Abschaltung bei Überspannung realisiert. Eine Spannungsüberwachung besteht in der Regel aus einer kleinen Schaltung mit mehreren Bauteilen, die allesamt eine Fehlerquelle darstellen. Die Antwort ist einfach und genial: Gar nicht! Die Santi-Heizweste überwacht nicht die Spannung, sondern die Temperatur im Anzug. Hier ist ein einfacher Temperaturschalter verbaut, der bei 65° Celsius einfach den Stromkreis trennt. Deshalb wundere ich mich ein wenig, warum Santi so eindringlich in der Anleitung davor warnt, mehr als 12V zu benutzen. Bei kälteren Wassertemperaturen sollte diese Konstruktion mit 14-15V sogar besser funktionieren (wobei ich dafür nun natürlich keine Garantie übernehme!).

Der Rest ist schnell beschrieben: Wir haben das neue Kabel eingebaut, auf das Netz des original Kabels verzichtet und seit dem ca 30 Tauchgänge ohne Probleme getaucht. Prima!

E/O Cord: Genial, teuer und minderwertig

Mein Verhältnis zu E/O Cord Kabel ist ein schwieriges. Dieses Kabel hat den Vorteil, dass es verpolungssicher und wasserdicht ist. Durch die Konstruktion lässt es sich problemlos unter Wasser stecken. Ein ähnliches Produkt ist nur das wesentlich weniger verbreitete SubSea Stecksystem.

Der große Nachteil ist die sehr grobe Litze, die nach wenigen Biegevorgängen bricht. Außerdem sind die Buchsen sehr schwach verankert, so dass sie sich bei häufiger Nutzung verbiegen und ausleiern. Eine Zange und gelegentlich ein vorsichtiger Schlag mit dem Hammer kann hier Besserung verschaffen, aber schön ist das nicht.

Weiterhin ist das Kabel sehr teuer. In Amerika bekommt man die Kabel teilweise günstiger. Dafür muss man sich dann mit Zollformalitäten und zusätzlichen Steuern bei der Einfuhr herum schlagen. Hier in Europa war der günstigste Anbieter den ich fand der Techduikshop.nl aus den Niederlanden. Bei 2 Kabeln kommt man auf 50 Euro pro Kabel. Dafür fallen (mir unverständlicherweise) teure 22 Euro Versandkosten nach Deutschland an. Andere Anbieter haben die Kabel in der Regel zwischen 59 Euro und 75 Euro (Stand August 2016) im Angebot.

Um so verärgerter war ich, als das E/O Cord meiner Trockentauchanzug-Durchführung einen Kabelbruch direkt im Steckverbinder hatte. Da das Kabel sowieso kaputt ist und bis zur nächsten Lieferung noch ein paar Tage Zeit ist, beschloss ich also den E/O Cord Stecker mal auseinander zu bauen. Tatsächlich ließ sich etwas pfuschen. :-)

Die Kontakte im Stecker liegen nur am Gummi an und sind nicht fest vergossen (oder zumindest leicht zu lösen). Mit etwas sanfter Gewalt ließ sich der Steckerkopf abziehen. Tatsächlich war das Kabel an der Buchse gebrochen. Diese drückte ich dann auch mit einem Schraubendreher heraus und lötete sie wieder an.

Allerdings kann man diesen Stecker nicht ohne weiteres wieder zusammen setzen. Ich schnitt den relevanten Teil des Steckers ab und beschloss also das stark mishandelte Kabel einfach wieder hinein zu schieben. Das ganze habe ich dann dick mit Isolierband umwickelt und in Schrumpfschlauch mit Innenkleber eingeschrumpft.

Sieht hässlich aus und funktioniert wahrscheinlich auch nicht lange, aber erst mal tut es wieder. Und die nächsten Kabel kommen ja bald. Ich halte Euch auf dem Laufenden, wie viele Tauchgänge mein Provisorium gehalten hat!


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  • Stephan

    Hallo,

    schöne Story, warum Strom und Wasser sich nicht vertragen. Neulich löste in meinem Akkutank einige Male die Schmelzsicherung aus und ich musste das Problem untersuchen. Die Messung ergab einen Kurzschluss im äußerlich unbeschädigten Kabel zwischen Akkutank und Lampenkopf, direkt oberhalb des Steckers an der Kabeltülle. Eine Röntgenanalyse zeigte, dass die innere Isolierung durch die jahrelange Beanspruchung, dehnen und stauchen wohl brüchig geworden ist. So einen Fehler hätte ich eher nicht erwartet.

    http://www.tief-dunkel-kalt.org/images/misc/08c5f6-1473876867.jpg

    Kommentar zuletzt bearbeitet am vor 5 Jahren von Oliver Probst