Am letzten Wochenende war es endlich wieder so weit: Das mittlerweile 5. Techsymposium öffnete seine Türen. Bereits in den letzten Jahren glänzte diese Veranstaltung mit hervorragenden Vorträgen und spannenden Workshops. Somit war die Messlatte hoch gesetzt. Und auch dieses Mal sollten wir nicht enttäuscht werden.

 

 

Das Team Techdiving Network hat mal wieder ganze Arbeit geleistet. Bereits beim Einlass wurden die Augen groß beim Blick auf die kommerziellen Aussteller, die ihre neuesten Innovationen und Produkte präsentierten. Mit dabei war unter anderem auch UwaStar, die neben sehr starken Video-Lampen auch den futuristischen 2-Schrauben Scooter präsentierten, den wir auf der Boot Anfang des Jahres schon bewundern konnten. Auch der  Heser Tauchtechnik Stand lud zum längerem Verweilen und Einkaufen ein, kurze Fachsimpelei über Verschraubungen und Schalter-Typen inklusive. Tibor blieb erwartungsgemäß beim XK1 Scooter hängen und ist nun überzeugt davon dass er sich noch einen “Add Handle” zulegen muss. Aber auch die Bonex Geräte schauten wir uns noch einmal im Detail an. Großes Highlight war natürlich auch die neue Thor Lampe, um die ja schon das ganze Jahr mächtig Trubel gemacht wird. Tatsächlich ist der erste Eindruck der Lampe sehr gut. Dieser Lampenkopf ist seinen stolzen Preis sicherlich wert und wird auf der Liste an Optionen stehen, sollte ich künftig Bedarf an mehr Licht identifizieren. Zum Thema Beleuchtung waren auch die Firmen Finnsub und Scurion mit ihren Lampen vor Ort. Gerade die helmmontierte Scurion überzeugt sehr für Schwimm- und Trockenstellen in Höhlen.

 

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 Mit freundlicher Genehmigung von TDN

Samstag

Dann ertönte aber auch schon die Ankündigung des ersten Vortrags und die Menge strömte in den Vortragsaal. Nach einer kurzen Begrüßung durch Frank Olbert, federführend bei der Organisation der Veranstaltung, machte Derk Remmers den Auftakt mit einem Vortrag zum Einsatz des JJ-CCRs bei GUE. Derk ist ein begnadeter Redner und seiner Rhetorik zu lauschen macht einfach Spaß. Allerdings hatte der Vortrag inhaltlich etwas weniger Tiefgang als auf dem Rebreatherstammtisch in Stuttgart vor ein paar Monaten. Das ist sicher der kürzeren Rededauer geschuldet, allerdings hätte ich mir gewünscht dass Derk etwas schneller zum zentralen Punkt kommt und in Anbetracht des Publikums etwas tiefer in die Materie einsteigt. Bemerkenswert fand ich als Derk aufzeigte, dass 30% aller Rebreather-Unfälle mit dem Abarbeiten von Checklisten vor dem Tauchgang zu vermeiden gewesen wären.

 

Danach folgte ein Vortag von Hannelore Brandt, Vorsitzende des Badischen Tauchsportverbands über die neue Druckkammer in Überlingen. Gewohnt souverän präsentierte sie die neue Druckkammer. Die Kammer in Überlingen wird ehrenamtlich betrieben und steht ausschließlich für Tauchunfälle und Druckkammer-Seminare zur Verfügung. Der Vortrag war nicht nur technisch sehr informativ, sondern hat mir auch sehr geholfen die ein oder andere Unklarheit im Falle eines Tauchunfalls zu beseitigen.

 

Als nächstes war Uli Kunz an der Reihe. Uli merkt man an, dass er sehr viel auf Tour ist und Vorträge vor großem Publikum gekonnt inszenieren kann. Seine atemberaubenden Bilder zogen mich sofort in den Bann. Besonders beeindruckt hat mich seine Foto-Dokumentation von Buckelwalen und Orkas, die sich in den Wintermonaten an den Heringsschwärmen in den Norwegischen Fjorden satt fraßen. Da muss ich hin!

 

Es folgte ein Vortrag von Maren Isigkeit und Torsten Schnitter über das Projekt Reseau de L'Ouysse, welches im Rahmen von GUE Project Baseline durchgeführt wird. Ziel von Project Baseline ist es, den Zustand der Unterwasserwelt zu dokumentieren und die Umwelt-Veränderungen über die Zeit zu protokollieren. So wurden im Unterwassersystem des Flusses Ouysee (zu dem auch die Höhlenpools Cabouy und Pou Meyssen gehören) mehrere Kilometer Strecke neu ausgeleint, sowie eine Secci Scheibe und Sensoren zur Temperatur und Wasserstandsmessung installiert. Außerdem berichteten die beiden sehr spannend darüber wie mittels Funkpeiltechnik die genaue Lage der Höhle mit der Oberfläche korreliert wurde.

 

Sabine Kerkau war als nächste an der Reihe. Ihr Vortrag beleuchtete ihre Expeditionen zu verschiedenen Wracks rund um die Welt. Faszinierend fand ich, wie konsequent und fokussiert sie ihr Hobby angeht. Sabines Vortragsstil ist ein wenig trocken, der Inhalt ihrer Erzählungen überzeugt dafür umso mehr. So berichtete sie von den bürokratischen und praktischen Widrigkeiten einer Expedition zum Wrack der HMS Victoria, welches in libanesischen Hoheitsgewässern sank. Auch eine spannende Erzählung über einen gesunkenen Frachter vor der baskischen Felsenküste zog mich in den Bann.

 

Danach folgte Andreas Pacher, Österreicher Gerichtssachverständiger zum Thema Tauchunfälle und Obmann der ARGE Tauchen in Österreich. Er identifiziert die den Zeitraum um die Minute elf als kritischsten Zeitpunkt für Unfälle. Er macht schnelle Abstiege (während Deren kleine Probleme zu großen werden) dafür hauptverantwortlich und plädiert für ein kurzes Sammeln und synchronisieren des Tauchteams vor dem Abstieg. Auch sollte der Abstieg öfters unterbrochen werden für ein kurzes In-Sich-Hineinhören. Alle tödlichen Tauchunfälle die er aufzeigte fanden unter Bedingungen statt, die weit von unseren Prozeduren und Vorgehen entfernt sind. Es machte mich sehr zuversichtlich zu sehen, dass wir gut vorbereitet ins Wasser gehen.

 

Den nächsten Vortrag fand ich ganz besonders spannend, weil er ein wenig aus der bisherigen Thematik heraus fiel: Dr. Thorsten Leber, tätig als Sportpsychologe beim Coaching Competence Cooperation Institut betreut Spitzensportler bei dem mentalen Umgang mit Stress-Situationen. Speziell in seinem Vortag ging es darum den richtigen Fokus in schwierigen Situationen zu behalten. Auch wenn die Situation beim Elf-Meter Schießen oder auf dem Tennisplatz etwas anders ist als unter Wasser, so hat er mir einige sehr nützliche Werkzeuge mit auf den Weg gegeben. So kann man kritische Situationen die sich nicht (oder nur unter hohem Aufwand/Risiko) üben lassen auch gut als Trockenübung machen, indem man einfach im Kopf die Situation wieder und wieder durchspielt. Auch die Hinweise wie man in kritischen Situationen den Fokus auf den Handlungsalternativen bewahrt und gleichzeitig die Wahrnehmung schärft fand ich sehr hilfreich.

 

Es folgte eine Podiums-Diskussion über den Einsatz von Rebreathern in Mixed-Teams. Ein größerer Disput blieb allerdings aus. Mein Fazit: Desto mehr Divergenz im Team desto höher das Risiko. Lediglich über die Grenze an tolerierbarer Abweichung kann man streiten.

 

Nach einem schnellen Abendessen ging es dann zu Thorsten (Toddy) Wälde in seinen Workshop Cave-Survey. Cave Survey nennt sich auf Deutsch übrigens Höhlenvermessung, aber der Begriff Survey ist natürlich more groovy :-). Toddy zeigte uns eine selbst konstruierte Vorrichtung um schnell die 3m Entfernungs-Knoten anzubringen, die zur Vermessung per Knotenzählen notwendig sind. Auch alternative Methoden zur Vermessung unter Wasser wurden angesprochen. Danach ging es auf dem Flur darum exemplarisch eine Leine mit Kompass und Tiefenmesser zu kartographieren. Wenn auch nicht sehr tiefgehend, war der Workshop spannend und gab eine erste Idee, wie man einen Höhlenplan zeichnet.

 

Und damit war der erste Tag auch schon zu Ende. Es fällt mir sehr schwer, im Fazit einen Favoriten zu benennen. Am inspirierendsten war sicher der Vortag von Uli Kunz, seine Fotos und Filme haben mich sehr beeindruckt. Sehr interessant fand ich die Forschungen von Project Reseau de L'Ouysse, insbesondere die Höhlenortung von der Oberfläche. Persönlich habe ich aber auch sehr viel von dem Vortrag von Dr. Leber mitgenommen. Auch der Workshop in Höhlenvermessung hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn ich da schon ganz schön müde war…

 

Sonntag

Am Sonntag ging es dann um 8:30 mit einem Wakeup-Call (oder ganz ordinär “Morgengymnastik”) los. Das macht sicher wacher als ein Kaffee, allerdings zog ich zweiteren vor um gemütlich im Vorraum mit Bekannten zu tratschen.

 

Der erste Vortrag war dann von Christian Skauge aus Oslo. Er ist seines Zeichens Unterwasser Fotograf und Herausgeber des norwegischen Tauchmagazins Dykking. Er berichtete über die Schönheit der Wracks vor Norwegen. Dazu zeigte er spannende Aufnahmen und erzählte Geschichten sowohl von der Versenkung, wie auch von der späteren Suche nach den Schiffen. Das war so das letzte Tröpfchen für meinen Entschluss mir das auch einmal anzusehen. Narvik 2017, ich komme (hoffentlich…;-) ).

 

Es folgte ein Vortrag von der Gruppe Cavebase. Heinke Teichmann und Florian Hang berichteten von den Projekten der vergangenen zwei Jahre. Bei einem weiteren Tauchgang in der Gourneyras offenbarte sich wenig Neues, was eine weitere Erforschung notwendig machen würde. Also wandten sie sich in den letzten Jahren vermehrt dem Balkan zu und forschten in Kroatien und Slowenien. In Kroatien schilderten sie die Situation an der Clavas Höhle. Bürokratisch einfacher ist die Situation aber in Slowenien, wo man wesentlich leichter Tauchgenehmigungen bekommt, sofern man einen gesetzlich vorgeschriebenen Schnorchel mit in die Höhle nimmt. Auch dort führten sie einige spannende Tauchgänge durch, bei denen sie in Trocken- und Schwimmstellen sehr mit ihren großen pSCR zu kämpfen hatten.

 

Pedro Balordi hielt sodann den nächsten Vortrag. Pedro ist ein sehr erfahrener Höhlentaucher, aber auch ein sehr erfahrener Höhlenforscher. Mein Eindruck dass diese beiden Welten viel gemeinsam, aber auch einige sehr verschiedene Blickwinkel haben, hat sich in seinem Vortrag gefestigt. Pedro ist Schweizer Höhlenretter und verweist immer wieder auf die Notwendigkeit effektiver und sichererer Ausrüstung in Trockenstellen zwischen und nach betauchbaren Siphons. Auch arbeitet er nochmals die Gefahren des Höhlentauchens, wie auch des -begehen heraus und zeigt die Schwierigkeiten bei der Rettung auf. Dieser Vortag hat mich in meinem Vorhaben bestärkt, künftig vermehrt Fortbildungen im Thema Höhlenbegehung zu machen um nicht eines Tages ungeplant mit dem Thema Höhlenrettung konfrontiert zu werden.

 

Einen ganz besonders spannenden Vortrag hielt Richard Stanton. Mit seinem Team erforschte er die Pozo Azul in Nordspanien. Das größtenteils geflutete Höhlensystem hat auf bisher elf erkundeten Kilometern nur wenige Trockenstellen in denen biwakiert wurde. Richard berichtete von der gesamten Historie ihrer Erkundung in den letzten Jahren und wie sie unter immer schwierigeren Umständen immer weitere Entdeckungen gemacht hatten. Da die Gänge nur wenige Restriktionen und enge Kurven haben, war auch der aufgezeigte Scooteraufbau mit knapp 2m Gehäuse-Länge (plus Verlängerung um die Trockenröhren zu transportieren) sehr individuell und spannend mit zu verfolgen. Sehr interessant auch seine KISS mCCR Rebreather Umbauten um die Kalk-Standzeit zu erweitern.

 

Es folgte ein Vortrag von HP Hartman über die Vorteile des Sidemount Tauchens in den  Höhlensystemen Mexikos. HP hat bei der Entwicklung des Razor 2 Sidemount Systems beigetragen und hat uns dessen Historie gezeigt. Auch sehr eindrucksvoll waren seine Videos wie elegant man sich mit einem Sidemount-System auch durch enge Stellen winden kann. Eine kleine Diskussion fand zum Ende noch statt, in wie weit ein Höhlenforscher die Höhle zerstören darf um Engstellen für eine weitere Erkundung frei zu machen. Die Bilder von HP zeigten so filigrane Strukturen, dass ich nicht annehme dass ohne einen radikalen Höhlenschutz in 10 oder 20 Jahren noch etwas davon übrig ist…

 

Mario Arena folgte mit einem Vortrag über Archeologische Untersuchungen von antiken römischen Schiffwracks im Mittelmeer. In atemberaubenden Tauchgängen mit Grundzeiten von rund einer Stunde im dreistelligen Tiefenbereich untersuchten und bargen sie im Team Amphoren, Opferaltäre und Ankerteile aus der Zeit des römischen Imperiums.

 

Als nächsten folgten wir einem Vortrag von dem Tauchmediziner Dr. med. Christian Wölfel zum Thema Dekompressionskrankheit. Die Folien waren medial sehr gut aufbereitet. Auch hat der Vortrag alle Varianten und Symptome der DCI beleuchtet. Allerdings muss ich eingestehen dass nach all den vorhergehenden Vorträgen die ruhige Vortragsweise es mir sehr schwer machte, dem durchgängig zu folgen. Dennoch bekam ich einen sehr guten Überblick über den aktuellen Stand der medizinischen Forschung und die vielen verschiedenen Varianten von DCI.

 

Von den medizinisch-biologischen Aspekten des menschlichen Körper ging es dann mit einem radikalen Schnitt zum Thema Video unter Wasser. Der Kameramann und Spezialist für Unterwasseraufnahmen Jan Hinrich Hoffmann (“Hoffi”), unter anderem auch für sein Engagement für den DIR-Germany Verteiler bekannt, stellte verschiedene Kamera und Beleuchtungssysteme für den Unterwassereinsatz vor. Spannend zu sehen war wie Unterwasseraufnahmen entstehen und wie viel Computeranimation generiert wird. Zusätzlich zeigte Hoffi noch Fotos von verschiedenen Kamera und Belichtungssystemen.

 

Es folgte Jochen Malmann, langjähriger, ehemaliger Leiter der Arbeitsgemeinschaft Blautopf. Er zeigte beeindruckende Bilder aus der bisherigen und aktuellen Erkundung des Blautopfes. Beeindruckend auch die Biwakstellen, welche die ARGE eingerichtet hat (“Knochenbrüche können wir auch im Biwak auskurieren”). Um die empfindlichen, kristallinen Strukturen zu schützen, wird während der Erkundung mehrmals auf frisch gewaschene Schlatze gewechselt. Auch gibt es Stellen, die nach der initialen Vermessung zu deren Schutz nicht mehr betreten werden. Ein wirklich sehr spannender Vortrag. Fand ich es bisher immer etwas schade, dass diese Höhle in unserer direkten Nähe nicht der Öffentlichkeit zugänglich ist, so habe ich nun Verständnis dafür, dass diese Umgebung geschützt bleiben muss.

 

Den Abschluss machte Thorsten Wälde von Pro Tec Sardinia, dessen Workshop ich auch schon besuchte. Er pries die Vorteile des Sidemount-Rebreather Tauchens an. Seiner Meinung nach wird dieser sehr flexible Rebreather-Aufbau künftig noch viel öfters zum Einsatz kommen. Er passt beispielsweise sehr komfortabel in einen Höhlen-Schleifsack. Auch denkbar eine Bail-Out (Re-)Breather (BOB) Variante am Dekorigg, wodurch eine wesentlich flexibleres Notfall-Setup möglich ist. Alles in allem ein schöner Vortrag, dessen Kernaussage allerdings auch in etwas kürzerer Zeit hätte getroffen werden können.

 

Damit endete dann auch das 5. TechSymposium im Limburger Hof bei Ludwigshafen. Die Vorträge haben alle Spaß gemacht und ich habe viele Impressionen und Anregungen mit nach Hause genommen. Ganz sicher hat dieser Besuch einen positiven Einfluss auf unsere künftigen Tauchgänge und auch Höhlenbegehungen.

 

Ganz herzliches Dank nochmal an das Tech Diving Network für dieses tolle Event. Die Organisation, die Technik und auch die Moderation war sehr professionell und ich freue mich schon sehr auf das nächste mal.


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